Neu werden, indem ich mich selbst kennen lerne.

Vortrag HZL, Dienstag, den 15. Januar 2019, 19:00 Uhr

Rosemarie Köchling

Wie gehe ich mit meinen Gefühlen und Emotionen um?

 

Der Mensch erkennt nicht nur mit Geist, Vernunft und Verstand und trifft aus rein rationalen Überlegungen Entscheidungen, sondern er ist dabei ganz wesentlich vom Gefühl bestimmt. Denken und Fühlen wirken im Alltag zusammen.

Da es im Bereich der Gefühle unterschiedliche Ebenen gibt, sind diese zu unterscheiden.

Da sind zu einem die zwischenmenschlichen Gefühle, die andere Menschen oder Situationen gelten. Es sind Erlebnisse des Alltags, sowie die emotionalen Bewegtheiten der Trauer oder der Freude über bestimmte aktuelle Begebenheiten.

Dann aber geht es auf einer anderen Ebene – um ein viel tieferes Gefühl im Menschen, der inneren Stimmigkeit und des Friedens.

Statt von Gefühl sollte man daher  auf dieser Ebene eher vom „Gespür“ sprechen.

Während Gefühle und Emotionen die menschliche Psyche betreffen, geht es bei diesem Gespür um das Verhältnis des Menschen zur Wahrheit, zu Gott und betrifft den geistigen Bereich des Menschen.

Trotz der Unterscheidung zwischen Gefühl und Gespür liegen beide nicht isoliert nebeneinander, sondern sind tief ineinander verwoben. Jedes  Gefühl ist von einer bestimmten „Seinsstimmung“ durchdrungen und stellt die Hintergrundstimmung aller anderen aktuellen Gefühle dar.

 

Beispiel:
Annes Erlebnis im Blumenladen. Wie hast du dich gefühlt hinterher. Abgelehnt und nicht wertgeschätzt. Was hat das Gefühl mit meinem früheren Leben (Kindheitserlebnissen) zu tun.?

 So sind Die Erfahrungen von Stimmigkeit und Unstimmigkeit keine am Rande liegende Gefühle, sondern betreffen den personalen Kern des Menschen.

Was ist der personale Kern des Menschen? Seine Identität, seine Person, sein wahres Selbst. Das Grundlegende Gute in unserem Inneren ist unser wahres Selbst, dessen Kern Gott ist. Die Annahme der Tatsache, dass wir von Natur aus gut sind ist ein Quantensprung in unserem Leben.

Gott und unser wahres Selbst sind nicht getrennt. Obwohl wir nicht Gott sind, sind Gott und unser wahres Selbst identisch.

 

Die innere Bewegtheiten der Seele treten zum Teil spontan auf oder sind als längerfristige Hintergrundstimmung gegenwärtig.
Der Mensch muss sich auch ihnen gegenüber verhalten und Stellung beziehen. Denn die Bewegungen der Seele treiben zum Handeln und der Mensch soll lernen zu unterscheiden, welchem Antrieb er folgen kann und welchem er nicht nachkommen soll. Er soll dem guten berechtigten Antrieb folgen und die anderen meiden.

 

Gefühle an sich sind Kräfte die wir zum Guten nützen sollen. Sie zeigen uns unsere Bedürfnisse. Sie rufen uns auf zur Umkehr. Wir sollen auf unsere Gefühle achten und sie nicht verdrängen. Das Verdrängen kann schlimme Folgen haben. Dann werden wir unwahrhaftig und setzen Masken auf. Dann sind wir nicht wir selbst.

Gefühle sind Ausdruck der Psyche, was wir spontan empfinden. Emotionen sind die treibende Kraft, die Reaktion der Gefühle. Gespür kommt aus dem SEIN. Das ist konstant, die Gefühle sind mal so mal so.

Bedürfnis ist ein Wunsch oder Verlangen nach etwas, was ich nötig habe.

Sehnsucht , das sich sehnen nach etwas, eine ungestillte, unbestimmte Sehnsucht. Sie gehört in das SEIN in die Existenz.

 

Gehen wir jetzt in die Praxis und schauen wir mal einige Gefühle an:

Positive:                                                       Negative:
Eigene Wertschätzung                            Minderwertigkeitsgefühl
Angenommen sein                                   Schmerz
Ansehen haben                                         Traurigkeit
Selbstbewusstsein                                    Ohnmacht

Freude                                                         Ärger
Frieden                                                        Angst
Glaube                                                         Wut
Hoffnung                                                     Traurigkeit
Liebe                                                            Scham
Glück                                                            Ohnmacht
                                                                      Schuld

Wie entstehen Gefühle und Emotionen? Sie entstehen durch unsere Gedanken!

Denke ich, das Leben ist schön oder das Leben ist zu schwer.

Lehne ich mich ab oder ich bin dankbar über alles was mich ausmacht.

Ich muss mich anstrengen, damit ich wertgeschätzt werde oder so wie ich bin, bin ich gut, ich tut das was ich kann, aber das tue ich.

Meine positiven oder negativen Gedanken zum Leben haben mit meiner Biographie zu tun.

Das fängt schon in der frühen Kindheit an, wo ich die Gefühle versteckt habe, weil sie nicht gewünscht waren.

Gedanken und Gefühle haben miteinander zu tun.

Ich sage aber nicht:  „Ich denke mich schlecht sondern ich fühle mich schlecht!“

 

Hinter jedem Gefühl steht ein Bedürfnis und hinter jedem Bedürfnis steht eine Sehnsucht. Es wird hier unterschieden zwischen Gefühlen, die anzeigen, dass Bedürfnisse erfüllt sind und Gefühlen, die anzeigen, dass Bedürfnisse nicht erfüllt sind.

Grundbedürfnisse:

Identität  -  Sehnsucht nach meinem wahren Selbst.
Liebe  -  bedingungslos angenommen, gewollt und geliebt zu sein
Sinn  -  Sehnsucht den Sinn meines Lebens zu entdecken
Ewigkeit  -  Sehnsucht nach einem Leben ohne Verfalldatum.

Weitere berechtigte Bedürfnisse und Sehnsüchte:

Sehnsucht nach Veränderung
Sehnsucht nach Heilung
Sehnsucht nach heilen Beziehungen
Sehnsucht nach Vergebung/Versöhnung
Sehnsucht nach Echtheit
Sehnsucht nach mehr Leben
Sehnsucht nach Freiheit

Andere Namen für Bedürfnisse und Sehnsüchte, wenn sie uns noch nicht bewusst sind:

Gefühl einer Unzufriedenheit
Gefühl eines Mangels
Gefühl einer inneren Leere und Langeweile

Deshalb ist es gut diese Gefühle mal zuzulassen und sie nicht gleich mit Aktivitäten und verschiedenen Genüssen zu füllen, um sie nicht zu spüren.

Die Sehnsucht lässt uns ahnen, dass wir mehr sind, als das was wir haben und was wir gerade sind. Eine Sehnsucht die Mangel spürt und nach Befriedigung sucht.

Die Sehnsucht in uns ist der Beweis, dass es das gibt wonach wir uns sehnen, sonst könnten wir uns gar nicht danach sehnen.

Die wahre Sehnsucht wohnt im Inneren des Menschen, an einem heiligen Ort, der Geistseele, dem Ort der Wahrheit, der Liebe, der Freiheit, der Sicherheit.

 

Was sind nun unberechtigte Bedürfnisse und Sehnsüchte?

Das Gefühl kann ich nicht beeinflussen, das ist einfach da. Aber ich kann es wahrnehmen als Wahrheit oder Unwahrheit, als was Gutes oder was Böses. Und ich kann es durch mein Bewusstsein, mein Gewissen und meinen freien Willen lenken und beherrschen. ICH entscheide.

Wir alle wollen wertgeschätzt sein, oft manipulieren (bewusst in eine bestimmte Richtung drängen) wir andere um uns die Wertschätzung zu erringen.

Beispiel: Ein Ehemann bringt seiner Frau Blumen mit aus Liebe zu ihr. Nicht wie am Anfang um sie zu gewinnen, da hat er mit den Blumen einen Zweck für sich verbunden.

Ich kann freundlich sein, mit dem Ziel, deswegen von anderen wertgeschätzt zu werden. (So wie ich in den Wald hineinrufe, schallt es zurück) das ist zu wenig.

Echt Wertschätzung kommt aus dem Sein. Ich muss authentisch sein.

Frag dich, warum tust du gute Werke? Welche Motive habe ich bei meinem Tun?

Tue ich es aus Liebe? Oder zur eigenen Wertschätzung indem ich gelobt werden will?

Es geht immer darum authentisch zu sein mit meinem wahren Selbst, das Selbst, dass ich von meinem Schöpfer erhalten habe, nicht mein Ego-Selbst.

Dann habe ich es nicht nötig anderen zugefallen, andere zu übertrumpfen oder anderen vorzustehen, was mein Selbstwertgefühl erhöhen würde.

Das heißt nicht, meine Talente nicht zu entfalten und meine Fähigkeiten nicht einzusetzen. Denn meine Natur drängt mich dazu sie zu gebrauchen  und zu entwickeln.

Beispiel:

Die junge Frau, die ihre Position gefunden hat in der Beziehung zwischen ihrem Freund, deren Mutter und sich selbst.

Die Junge Ehefrau und Mutter von drei Kindern, die 8 Monate ihre Schwiegereltern im Haus wohnen hatte.

Es kann sein, dass Blockaden in unserer Seele sind. Diese muss ich anschauen um sie zu erkennen und zu bearbeiten in der Tiefe. Was will mir mein Schmerz sagen? Welche berechtigten Bedürfnisse sind bei mir unterdrückt?

Wie schon gesagt, sind Gefühle Folgen von unseren Gedanken und unseren Lebenserlebnissen.

Das Kind ist ängstlich und traurig.

Du musst doch nicht traurig sein, wurde ihm gesagt.

Bestimmte Gefühle sind nicht willkommen. Das Kind lernt von Anfang an, Gefühle zu verstecken.

Dann: Schicksalsschläge, verlassen worden sein, Krankheit, Armut usw.

Gefühle sind Geschenke um mich wahrzunehmen und mich besser kennenzulernen.

Wir müssen uns nur vor Fehlbefriedigungen hüten.

Wir Menschen haben drei Sehnsüchte in unserem Herzen, die ein Hinweis auf Gott sind.

  1. Liebe: In jedem Menschen schlummer die Sehnsucht, geliebt zu werden. Wir sind gerade unersättlich danach.
  2. Sinn: In jedem Menschen ist eine Sehnsucht vorhanden, den Sinn des Lebens zu entdecken.
  3. Ewigkeit: Wir sehnen uns nach Leben ohne Verfalldatum. Gott hat die Ewigkeit in unser Herz hineigelegt.

Zu Punkt 2: Der Sinn meines Lebens ist mein Partner. Die Liebe zu einem Menschen sei enorm Sinnfindend, würde den anderen aber total überfordern. Wir erwarten oft vom Partner, was letztendlich nur Gott uns geben kann.

 Der Sinn meines Lebens sind meine Kinder.
Was ist dann mit den Paaren, die ungewollt kinderlos sind. Oder wenn die Kinder aus dem Haus sind?

Arbeit und Karriere sind der Sinn meines Lebens.
Solche Menschen würden dann im Alter in ein tiefes Loch fallen, weil sie sich über die Leistung definieren und sich jetzt überflüssig vorkommen.

Den ewig bleibenden Lebenssinn muss jeder Mensch selber finden. Wir sind von unserem Schöpfer gewollt. Über unserem Leben steht Gottes großes „Ja“: Du bist gewollt. Ich liebe dich von deinem ersten Moment an! Du bist kein Zufall!  Auf diese Liebe müssen wir unser deutliches „Ja“ geben. Nur mit Gott wird uns der Sinn des Lebens klar.

 

Merke ich überhaupt eine Sehnsucht in mir?

Zunächst merke ich vielleicht nur eine tiefe Einsamkeit

 Hinter der Einsamkeit steckt ein existentielles Bedürfnis.

Ich will das verdrängen, vielleicht mit frommen Aktivismus.

Durch Verletzungen und Wunden, oft aus der frühen Kindheit, habe ich ein

schützendes „Ich“ wachsen lassen – der Schwindler in meinem Leben.
Das bin gar nicht „Ich“.

Ich lebe äußerlich einen anderen, ich lebe eine Rolle.

 

Der größte Schmerz ist es, nicht derjenige zu sein, der ich wirklich bin. Wenn

ich nicht nach meinen wahren Bedürfnissen lebe, bin ich nicht „Ich“.

 

Übung:

Spüre in dich hinein….!

 

Was ist meine Sehnsucht? ……..oder Einsamkeit?

 

Welche Gefühle kommen immer wieder bei mir auf?

 

Welche Bedürfnisse nehme ich hinter den Gefühlen wahr?

 

Was spürst du in deiner Tiefe?

 

Nur was ich zugebe, was ich anschaue und was ans Licht kommen darf, kann geheilt und verwandelt werden.

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