Bericht von unseren „Davor – Tagen“ im Antoniushaus in Vechta

von Elisabeth Rolf

 

Vom 20. – 23. Juni 2019 hat die Gemeinschaft Gebet und Wort zu internen Tagen der Vertiefung im Apostolat eingeladen. 12 Personen nahmen teil.

 

Wir wollten an die geistlichen Grunderfahrungen der GGW anknüpfen, die schließlich zum Geschenk des Charismas führten. Prof. Ivancic hat die jungen Leute damals in sein Heimatdorf Davor an der Save eingeladen. Entsprechend wollten auch wir unsere „Davor-Tage“ in Sammlung und Einfachheit miteinander erleben, viel Zeit in der Natur verbringen, unsere Erfahrungen austauschen, miteinander und füreinander beten, die Sakramente erneuern und uns im Apostolat stärken. Zu unserer besonderen Freude konnte Herr Pfr. Alfred Büchter aus Mettingen diese Tage geistlich begleiten. Er hat vor 20 Jahren die Anfänge unserer Gemeinschaft im Antoniushaus mitgetragen und ist als Seelsorger mit unserem Apostolat vertraut.

Die Verbundenheit mit der ganzen Gemeinschaft war uns sehr wichtig. Unser Bemühen, Ivica Lulic, den derzeitigen Leiter der Muttergemeinschaft, für diese Tage zu gewinnen, scheiterte leider an organisatorischen Schwierigkeiten. Rosemarie Köchling, die ihn bei seinem Besuch in Maria Baumgärtle erlebt hatte, konnte uns ihre Erfahrungen mitteilen. Ihr Vortrag mit anschließendem Austausch beschäftigte sich mit der Frage, wie Hagiotherapie und Evangelisation im Apostolat verknüpft sind. Das Fazit: Wer zu einer ganzheitlichen, lebendigen Freundschaft mit Jesus gelangen will, muss sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Hagiotherapie vertraut machen, damit er sich seiner konkreten Existenz und ihren Fragen stellen kann, um die Güte des Schöpfers zu erleben, von Jesus in die Wahrheit geführt zu werden und die Kraft des Heiligen Geistes zu erfahren.

Diese Erkenntnis sollte keine theoretische bleiben, also suchten wir immer wieder die existenzielle Anknüpfung, nicht zuletzt in der Begegnung mit Menschen und ihren Schicksalen. Am „Tag der Orientierung“ machten wir einen geistlichen Spaziergang. Wir begannen am Grab von Pater Titus Horten OP, der wegen angeblicher Devisenvergehen von den Nazis inhaftiert und in der Haft verstorben war. Von dort wanderten wir zu „Feldhüters Kapellchen“, einem Ort der dankbaren Verehrung der Gottesmutter für die Rettung aus Kriegsgefahren. In einer kleinen Andacht legten wir symbolisch „Steine“ ab, um unsere Lasten, die uns im Apostolat behindern, der Mutter Gottes anzuvertrauen. Der „Zufall“ führte zu einer schönen Begegnung mit dem alten Herrn, der das Kapellchen seit 40 Jahren pflegt – Freude auf beiden Seiten! Nach Vortrag und Austausch am Nachmittag bereiteten wir uns in stiller Zeit, Beichte und Heiliger Messe auf die Nachtanbetung vor, um die persönliche Entscheidung für Jesus Christus zu erneuern. Den Samstag, „Tag der Umkehr“ begannen wir mit einem „Stolpersteine-Pilgerweg“ durch die Stadt. Die Erfahrung, wie das Böse unser Menschsein angreift, wurde konkret vor dem Gedenkstein am Ort der zerstörten Vechtaer Synagoge und an den Stolpersteinen für die enteigneten und getöteten Vechtaer Juden. Mitten im Getriebe der Einkaufsstraße beteten wir Hand in Hand das Vater Unser und das Shema Israel. Dann besuchten wir den „Straßenfeger Martin“. Die Skulptur des Künstlers Kajo Dierkes auf dem Vechtaer Neuen Markt erinnert an Martin Taubenheim. Durch Kriegserlebnisse schwer traumatisiert, fand er nach dem Krieg beim Bauhof eine Anstellung und fegte von 1959 bis zu seinem Tod 1984 täglich von Mitternacht bis in die Morgenstunden gewissenhaft und gründlich die Innenstadt. Vielen Vechtaern ist dieser stille, scheue Mensch in lebhafter Erinnerung. All diese Eindrücke nahmen wir mit in unser Gebet um Befreiung, das Pfr. Büchter für uns sprach. Der Nachmittag war dem Gebet um Heilung gewidmet, der Abend dem intensiven Zeugnis, wie uns die Hagiotherapie geholfen hat und wie jeder sie praktiziert, um leidenden Menschen zu helfen. Am Sonntag, dem „Tag der Auferstehung“, begaben wir uns am frühen Morgen zum Ursprungsort unserer Stadt, der Vechtaer Zitadelle. Auf der historischen Wallanlage beteten wir für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Die Heilige Messe wollten wir bewusst in der Pfarrkirche feiern. Zur Einstimmung betrachteten wir Josef von Arimathäa, der den Gekreuzigten in das Grab legen ließ, das er für sich selbst hatte hauen lassen. Wie radikal verändert die Auferweckung Jesu unser Verhältnis zu Sterben und Tod! In dieser Hoffnung können wir uns ganz dem Dienst an den leidenden Menschen widmen. Die Gemeinschaft trägt uns, das konnten wir in diesen Tagen erfahren!

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