"Begegnung mit dem lebendigen Gott"

Zweite Einheit: 

Die Tür zur Erneuerung durchschreiten!

Liebe Teilnehmer des Glaubensseminars!
In der ersten Einheit unsres Seminars haben wir sie eingeladen, sich für eine Erneuerung ihres Glaubens zu entscheiden. Sich bewusst und in Freiheit für etwas entscheiden zu können, macht die Würde des Menschen aus. Unsere Erfahrung lehrt uns allerdings, dass Gewöhnung ermüdet. Jeder Alltag ist grau. Was einmal mit Enthusiasmus gewählt wurde, verliert auf die Dauer an Faszination. Schon immer hat das die Menschen angeregt, in wiederkehrenden Festen und Ritualen die Freude und Begeisterung des Anfangs, der „ersten Liebe“ wieder aufleben zu lassen. Das gilt auch für den Glauben, denn Christ wird man nicht durch Geburt, sondern durch einen freien persönlichen Entschluss, der der Erneuerung bedarf. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit will dazu Gelegenheit bieten. Am Beginn jedes Heiligen Jahres steht ein Ritual, welches wir wegen seiner starken Symbolträchtigkeit aufgreifen und in unser Seminar übernehmen möchten: Die Öffnung der Heiligen Pforte. Wir laden Sie ein, eine Tür Ihres Hauses bzw. Ihrer Wohnung zur „Jubiläumstür“ zu bestimmen. Diese Anregung kommt von P. Markus Gebhard Stark OCist, dem Direktor der Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter im Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel. Er schreibt:

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit

Heilige Pforte in Rom und Jubiläumstüre zu Hause als ein Zeichen der Gnade Christi

Jesus hat gesagt: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10,9)…

Wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, lassen wir uns umarmen von der Barmherzigkeit Gottes und verpflichten uns, barmherzig zu den Mitmenschen zu sein, so wie der Vater es zu uns ist.“ Schreibt Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle zum Außerordentlichen Jubiläum der Barmherzigkeit „Misericordiae vultus“ Nr.14.

Die Heilige Pforte in Rom
Am 8. Dezember 2015 hat Papst Franziskus die „Heilige Pforte“ des Petersdomes eröffnet. An diesem Tag begeht die Kirche alljährlich das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. In der Wahl dieses Termins für die Öffnung der „Heiligen Pforte“ des Petersdomes können wir einen wichtigen Hinweis erblicken: Maria ist die neue Pforte Gottes, durch die der HERR im neuen Bund unsere Welt betrat.
Ähnlich bedeutungsvoll ist der Termin für die Schließung der Pforte am 20. November 2016, dem Christkönigssonntag: Die Herrschaft Christi ist die wahre Freiheit des Menschen. Wer sie erfährt, wird die tiefe Dankbarkeit darüber leben und verkünden.

Der Petersdom hat 5 Eingangstore, wobei das 5., das kleinere und besonders schön gestaltete, mit einem ganz bestimmten Ritus (wie die anderen Tore in der Stadt an bedeutenden Basiliken und in den Diözesen der ganzen Welt) von Papst Franziskus nur zu diesem Anlass geöffnet wird. Das ist ein eindrucksvolles Symbol für die Kirche selbst, die offen für jeden Menschen ist, der sich der Liebe und Barmherzigkeit des Herzens Christi bedürftig fühlt.

Jesus Christus ist die Tür, durch die unser Pilgerweg zum Haus des Vaters führt, der Schlüssel ist Reue und Bekehrung. Die Kraft, durch diese Türe zu gehen, kommt von unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Liebe. Für viele Katholiken muss ein wichtiger Teil der Reise darin bestehen, die Freude der Zugehörigkeit zur Kirche wieder zu entdecken, die Kirche zu schätzen und zu lieben, da der Herr sie uns zur Mutter und Lehrerin gegeben hat.

Das Volk Israel feierte alle 7 Jahre ein Sabbatjahr, ein Ruhejahr - in diesem wurden alle Schulden erlassen um eine neue Gerechtigkeit zu erlangen. Eine besondere Steigerung war das 50. Jahr (7x7 Jahre: Levitikus 25 = Jobeljahr. Jobel bedeutet hebr. Horn, Schall, Jubel, Befreiung). Die Kirche feierte erstmals im Jahr 1300 ein solches Heiliges Jahr, ab 1475 alle 25 Jahre, manchmal werden auch außerordentliche Heilige Jahre (33 Jahre nach der Lebenszeit Jesu), wie beispielsweise 1983 „Das Jahr der Erlösung“, begangen.

Am Tag der Versöhnung“ durfte im alten Jerusalem jeder Gläubige alle Tore des Tempels durchschreiten, bis hin zum Allerheiligsten, das sonst nur der Hohepriester betreten durfte. Aus dieser Symbolik geht hervor, dass im neuen Bund Jesus Christus der Hohe Priester ist. Er allein kann die Tür zum Vater öffnen und erlangt dadurch die vollständige Vergebung für uns (vgl. Joh 10,7). Eine neue Freiheit und Gerechtigkeit durch Vergebung und Versöhnung zu erlangen ist ein wichtiges Element dieser Jubeljahre und ein Weg zum Frieden.

Die Jubiläumstür in unserer Wohnung

Ein Zeichen der persönlichen Teilnahme an den vielen Feierlichkeiten in Rom und in der ganzen Welt könnte es sein, dass die Gläubigen eine Türe in ihrer Wohnung zu einer Jubiläumstüre bestimmen. Diese Initiative haben die amerikanischen Bischöfe für ihre Diözesen im Jahr 2000 angeregt und wir können sie gut übernehmen und wiederholen.

Dieses kann innerhalb einer Andacht, bei der das Segensgebet (siehe unten!) gesprochen und an der bestimmten Tür der Segenstext, ein Kreuz oder ein anderes Christussymbol angebracht wird, geschehen. Passend dafür ist das Weihnachtsfest oder das Fest der Erscheinung des Herrn, besonders der Haussegen der „Drei Könige“ (20 C+M+B 16)! Immer beim Durchschreiten dieser Türe können wir mit einem Gruß den HERRN der Geschichte ehren, ein Gebet sprechen, das Kreuzzeichen machen: „Jesus, ich vertraue auf dich“. So wird die Türe uns an die Barmherzigkeit des Vaters erinnern und an das besondere Gnadenjahr 2015/2016, sowie an die Wichtigkeit der Erneuerung und Belebung unseres Glaubens (Abschluss des II. Vat. Konzils vor 50 Jahren).

Segensgebet für die Jubiläumstüre zu Hause

Gepriesen bist Du, Herr, unser Gott, denn du geleitest uns auf allen Wegen.Du segnest unser Kommen und Gehen, von der Geburt bis zum Tod umfängt uns Deine liebende Sorge.

Darum bitten wir Dich, o Herr:
Segne diese Türe, die wir für das Große Jubiläum der Barmherzigkeit ausgewählt haben.
Wenn wir sie Tag für Tag durchschreiten, führe uns immer tiefer hinein in Deine Gegenwart und in das Geheimnis Deiner Liebe, mit der Du uns an Dein Heiligstes Herz ziehst.

Du bist die Türe zum Reiche Gottes und für Deine Schafe das Tor zum ewigen Leben.
Du Pforte des Friedens, Du neuer und lebendiger Weg, vergib uns unsere Sünden und öffne uns die Tür des Heiles.

O Gott, schütze unser Gehen und Kommen. Lass uns die Gastlichkeit dieser Wohnung mit allen teilen, die uns besuchen. Mögen in diesem Heim die Hilfsbedürftigen liebevollen Beistand, die Suchenden Erleuchtung und unsere Brüder und Schwestern im Glauben Stärkung finden.

Geleite uns einmal durch Dich und mit Dir heim zu Dir, der Du mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.

Weitere Informationen folgen! Siehe auch www.kloster-stiepel.org
Für den Inhalt verantwortlich: P. Markus Gebhard Stark OCist, Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter, Kloster Stiepel.

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